Lehre liberal
Haupt- und Realschule Lehre
Ist die Schule ist noch zu retten?
Jeder kennt die Sprüche: „Was wir heute entscheiden, müssen unsere Kinder und Kindeskinder ausbaden“; „Wir leben auf Kosten der nachfolgenden Generationen“ und so weiter. Solche Weisheiten gelten auch für das Schulsystem; allerdings sind auf diesem Gebiet die Folgen aktuellen Verhaltens manchmal wesentlich schneller zu spüren als in sonstigen Bereichen der Gesellschaft. Den Beweis dafür haben jetzt viele Eltern unmittelbar vor Augen, deren Kinder den Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule noch vor sich haben.
In den vergangenen Jahren sind zwei entscheidende Dinge passiert, die jetzt zu großer Unruhe geführt haben:
1. Die Landesregierung hat die Orientierungsstufe abgeschafft – und als Folge davon hat sich der Trend verstärkt, dass die Eltern für ihre Kinder nach dem 4.Schuljahr immer häufiger das Gymnasium statt der Realschule oder die Realschule statt der Hauptschule wählen. Niemand kann ihnen das verdenken. Nach vier Jahren Grundschule können die Lehrer nämlich höchstens für etwa 70 % der Kinder mit einiger Sicherheit vorhersagen, welche Schulform für sie in Frage kommt. Bis zum Ende der Klasse 6 steigt die Sicherheit auf etwa 90-95 %; die Orientierungsstufen haben es bewiesen – aber diese Beobachtungs-, Förder- und Diagnoseschule gibt es nicht mehr. Offensichtlich hat die Landesregierung 2004 genau das Pferd erschossen, mit dem sie in eine bessere Zukunft des Bildungswesens hätte reiten können; ihr Modell des dreigliedrigen Schulwesens ohne die Orientierungsstufe als Eingangsflur hat nur bewirkt, dass die Hauptschulen immer weniger Schüler bekommen, während die Gymnasien überlaufen. Die Leidtragenden sind unzählige Kinder und Jugendliche, die sich oft jahrelang quälen müssen, weil sie die falsche Schule besuchen.
2. Die Eltern wollen das Beste für ihr Kind – und da sie den Empfehlungen der Grundschule aus triftigen Gründen nicht so recht trauen und die Orientierungsstufe nicht mehr da ist, die den Eltern überzeugende und leicht einsehbare Empfehlungen mitzugeben vermochte, „versuchen“ sie es eben mit derjenigen Schulform, die sie für ihr Kind wünschen, immer in der Hoffnung, dass es irgendwie klappt.
Die Folgen dieser „Abstimmung per Anmeldung“ sind für die nachrückenden Kinder und ihre Eltern gravierend, wie man am Beispiel der Haupt- und Realschule Lehre sieht: Die Schulträger können es sich angesichts leerer Kassen nicht mehr leisten, leere Schulen vorzuhalten. Auch der Landkreis Helmstedt sieht sich offenbar gezwungen, die Schule in Lehre über kurz oder lang zu schließen. Die Frage ist nur, ob davon unbedingt Lehre betroffen sein muss, denn die gleiche Lage herrscht in Königslutter und in Velpke.
Was ist jetzt zu tun?
Kurzfristige Lösungen – außer der Schließung einer Haupt- und Realschule – sind nicht in Sicht. Ausgerechnet die Schule in Lehre zu schließen, wäre allerdings aus Sicht der FDP Lehre falsch: Die Gemeinde Lehre hat kaum Bindung an den Rest des Landkreises Helmstedt; es wäre keine organische Lösung, Lehrsche Kinder in die Schule Königslutter zu transportieren. Überspitzt formuliert: Königslutter ist kulturelles Ausland, wenn man vom bewährten Grundsatz der Einheit von Lebens-, Arbeits- und Schulbereich ausgeht! Umgekehrt gilt das natürlich ebenso.
Das kleinere Übel für Lehrsche Haupt- und Realschüler wäre der Schulbesuch in Braunschweig und Wolfsburg, wo die Lage der Haupt- und Realschulen nicht anders ist als bei uns. Für eine Übergangszeit müsste – wenn es denn gar nicht zu vermeiden ist – die Schule in Lehre geschlossen werden. Ganz aufgeben darf man das Gebäude schon wegen der teuren Investitionen nicht, die der Landkreis in den letzten Jahren vorgenommen hat. Für die Kinder in Königslutter und Velpke könnte es auch Lösungen mit Schulen in der Stadt Helmstedt geben – warum eigentlich nicht?
Was die Übergangszeit anbetrifft: Mit einer Wiederbelebung der Hauptschule ist kaum zu rechnen, trotz aller Mühen, die sich Lehrer und Schulleitungen geben. Das Land sollte endlich einsehen, dass das dreigliedrige Schulwesen von den Schülerzahlen her, aber auch im Hinblick auf pädagogische Erkenntnisse, einfach nicht mehr zu halten ist. Unser (FDP-Lehre-)-Vorschlag, die Grundschule um zwei Jahre zu verlängern, würde vielen Eltern bei der Wahl der richtigen Schulform sicherlich helfen, aber er hätte nur Sinn, wenn sich eine wirklich attraktive Hauptschule mit guten Berufsaussichten für ihre Abgänger daran anschließen würde.
Die konsequenteste Lösung für alle Probleme wären vernünftig differenzierende Gesamtschulen in überschaubaren Größen. Es spricht vieles dafür, dass es allen Kindern zugute kommt, wenn sie zumindest in den ersten acht Schuljahren gemeinsam lernen. Auch Lehre könnte dann Standort einer Gesamtschule sein!
Ganz bestimmt werden die Weichen in Hannover neu gestellt, wenn der Druck der Eltern (und Wähler) groß genug wird. Diese Hoffnung sollte niemand aufgeben, denn die genannten Probleme gibt es nicht nur in Lehre. Überall im Lande wird die Forderung nach brauchbaren Lösungen lauter.
Grundschulen
Kurze Beine - kurze Wege!
Die Gemeindekasse ist leer; die Einnahmen der Gemeinde sind gering, die laufenden Kosten sind hoch, und Maßnahmen aus früheren Jahren müssen finanziell zu Ende geführt werden. Unter solchen Vorzeichen ist es nach Meinung der FDP Lehre verständlich und richtig, dass alles auf den Prüfstand gestellt und vor nichts Halt gemacht wird.
Dass bei anderen gespart wird, hält jedermann für vernünftig oder unvermeidbar. Das eigene Anliegen jedoch wird oft als überaus wichtig und unantastbar eingeschätzt. Auch das ist menschlich und verständlich. Umstritten ist natürlich auch, welche Bereiche die letzten sein sollen, bei denen der Rotstift angesetzt werden muss. Bei dieser Frage sollte es darum gehen, ob durch die Einsparungen zusätzliche Kosten oder nachhaltige Schäden drohen.
Zum Teil hängt die persönliche Einstellung von Wissen und Einsicht ab – und schon sind wir beim Thema:
Schulen sind teuer; die Gemeinde könnte viel Geld einsparen, wenn sie die kleinen Grundschulen Essenrode und Wendhausen schließen und die Kinder mit Bussen in die Grundschulen in den Ortschaften Flechtorf und Lehre transportieren würde.
„Unsere Grundschulen leiden unter Schülermangel“, ist zu hören; aber schon diese Formulierung ist falsch, denn Schüler in kleinen Schulen können sehr davon profitieren, dass ihre Klassen klein sind, sogar dann, wenn zwei Jahrgänge in einer Klasse unterrichtet werden. Das lassen das Schulgesetz und die entsprechenden Erlasse durchaus zu, und pädagogisch gesehen hat diese Regelung nach Meinung der FDP sogar Vorrang vor dem Transport unserer kleinsten Schüler in einen anderen Ort. „Kurze Beine – kurze Wege“ ist ein guter Grundsatz. Die Nebenwirkungen eines Schulbesuchs im eigenen Dorf kann kein Arzt und kein Apotheker mit noch so tollen Medikamenten aufwiegen. Man braucht nur auf unsere Halligen und Inseln zu blicken, um zu erkennen, dass gute Erziehung und Bildung, ausreichendes Wissen und auch der Besuch weiterführender Schulen offensichtlich nicht davon abhängig sind, dass unsere Kleinen in großen Klassen sitzen. Es geht bei den aktuellen Diskussionen also nur ums liebe Geld.
„Mich interessiert das alles nicht mehr; meine Kinder und Enkel haben das ja alles hinter sich“, sagte vor einigen Jahren einmal ein namhafter Ratsherr einer großen Partei in Lehre, allerdings nicht öffentlich. Er hätte seinen Sitz aufgeben sollen! So unbekümmert und eigensüchtig sind unsere heutigen Ratsmitglieder hoffentlich nicht.
Die FDP spricht sich also dafür aus, alle Grundschulen bestehen zu lassen. Wo aber dann sparen? Auch dazu haben wir eine Meinung: Vor den Grundschulen sollten die Dorfgemeinschaftshäuser an der Reihe sein, wenn es um Einsparungen geht, und da geht es sogar um noch höhere Summen. Die Nachteile wären gering, denn die Gastronomie in der Gemeinde bietet genügend Alternativen. Aber die Vorteile hätten unsere Kinder. Einige von ihnen werden einmal im Gemeinderat sitzen und hoffentlich die weise Entscheidung feiern können, dass die Grundschulen erhalten blieben.
Die FDP Lehre wird weiterhin alles dafür tun, alle vier Grundschulen zu erhalten. Der Punkt bleibt Bestandteil des liberalen Kommunalwahlprogramms.
Region Braunschweig
Essenrode - der zündende Funke?
Seit der Gebiets- und Verwaltungsreform 1972 ist die Gemeinde Lehre nicht zur Ruhe gekommen, was ihre Zuordnung zu ihrem Umland betrifft. Wie sich jüngst gezeigt hat, ist die Unzufriedenheit in Essenrode besonders deutlich.
Wieder einmal kann die FDP mit Recht sagen, dass sie es so hat kommen sehen, aber sie muss auch mit Bedauern feststellen, dass der Raum Braunschweig immer noch benachteiligt ist, denn die Liberalen haben im Umland der Stadt Braunschweig von Anfang an für andere Lösungen gekämpft.
Fast vier Jahrzehnte lang hat die Bevölkerung insbesondere in der Gemeinde Lehre und ganz besonders in Essenrode Nachteile hinnehmen müssen, weil die jeweiligen Landesregierungen nicht den Willen und nicht die Kraft hatten, eine vernünftige und dauerhafte Reform für ganz Niedersachsen zu schaffen.
Es rächt sich immer wieder, dass die Landesregierung ihre eigenen Leitsätze für eine dauerhafte Reform im Fall Lehre nicht beachtet hat:
• Traditionelle Verflechtungen sollten berücksichtigt werden (Essenrode gehörte früher zu Gifhorn, noch früher zum Königreich Hannover – aber es wurde dem Kreis Helmstedt zugeordnet);
• Schwerpunkträume - wie die Region Braunschweig - sollten möglichst nicht durch Kreisgrenzen zerschnitten werden (aber das gesamte Umland der Stadt Braunschweig wurde zersplittert);
• Verkehrsachsen sollten Rückgrat der Kreise und keine Kreisgrenzen sein (die gesamte Gemeinde Lehre ist zwar eng mit Braunschweig und Wolfsburg verflochten, aber sie hat außer der Autobahn A 2 überhaupt keine Verkehrsachse nach Helmstedt; Essenrode erst recht nicht);
• der Kreissitz sollte verkehrstechnischer und behördlicher Mittelpunkt für alle Kreiseinwohner sein (Essenrode liegt so weit abseits von Helmstedt, dass man ebenso gut Lüneburg, Burgdorf oder Salzgitter als Kreissitz hätte wählen können).
Eine „Großregion Braunschweig“, wie sie vom Braunschweiger Oberbürgermeister Hoffmann ins Gespräch gebracht wurde, könnte eine Chance für vernünftige Änderungen des augenblicklichen Zustands sein. Das ist zur Zeit auch die einzige Chance für Essenrode, denn alle kleineren Lösungen werden keine namhaften Unterstützer finden: Ein Anschluss Essenrodes an Wolfsburg als isolierte Maßnahme würde die Gemeinde Lehre so sehr schwächen, dass sie nicht überleben könnte; wie beim Domino wäre als nächstes Opfer der Landkreis Helmstedt an der Reihe – und schon wäre der gesamte Großraum Braunschweig durcheinander.
Es muss also eine große Lösung her, die der Landtag für ganz Niedersachsen diskutieren und beschließen sollte. Dazu hatte die hiesige FDP schon in den 70er-Jahren vorgeschlagen, entsprechend der Wirkungsweite und Anziehungskraft der Städte und sonstigen Zentren im Lande Stadt- und Landkreise zu bilden, die deutlich größer wären als z.B. die Landkreise Helmstedt und Wolfenbüttel. Unter diesem Dach könnte Essenrode auf Grund der gewachsenen Verbindungen entweder zum Kreis Gifhorn zurückkehren oder an Wolfsburg angeschlossen werden. Sogar ein Anschluss an Braunschweig wäre für Essenrode günstiger als der augenblickliche Zustand. Aber bis dahin wird noch viel Wasser die Essenroder Riede hinabfließen.
Von dem Essenröder „Aufstand“ könnte der zündende Funke ausgehen, der das labile „Reformwerk“ von 1972 zum Einsturz bringt. Man muss nur aufpassen, dass er nicht mangels Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger erlischt! Die FDP Lehre wird jedenfalls den Funken weitertragen und jede Aktion unterstützen, die mehr Bürger zufrieden stellt als bisher. „Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, sagte Victor Hugo. Vielleicht gilt das ja auch für die Ideen der Essenröder.